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Ein Tourtagebuch von Rolf Rilling

What a Wonderful World

Nach Afrika 2012 folgt nun 2016  die große Amerikareise mit ca. 40.000 km in 2 Etappen.

Januar – April 20 16: Südamerika inkl. Kuba und Juni- August 2016: von Kolumbien per Segelschiff „Stahlratte“ nach Mittelamerika, Mexiko, Kalifornien und Vancouver und dann quer durch Kanada bis zu meinem Bruder in Montreal im Osten Kanadas.

Rolf1Von April 2016 bis Juni 2017 werde ich die BMW in Kolumbien sicher unterstellen.

Ich werde auch diesmal allein reisen, nur begleitet von meiner BMW R1200 GS Adventure, die mich weder in Afrika noch während meiner zahlreichen Touren in Europa jemals in Stich lies.  Sie ist fast 6 Jahre alt und wir hatten auf 72.000 km noch nie eine Panne.

Mit Hilfe des Reiseblogs möchte ich Euch wieder zu meinem nächsten Abenteuer einladen.

Let’s Ride the (BMW) Adventure and Enjoy a Wonderful World.

 

     

    Dawson City – nicht einmal ein Goldräuschchen

    Dawson City – Jack London – Goldrausch

    Nach einer sehr schönen und vor allem trockenen Offroad-Fahrt auf dem Top-of-the-World Highway kam ich am berühmten Klondike River bei Dawson City an. Jetzt fehlte noch die Fähre und ich konnte übersetzen. Großes Staunen im Reich der Kapitalisten – die Fähre ist kostenlos! Dawson City gleicht mehr einer Filmstadt. Einige Dutzend sehr alte Häuser (aus den 1890er Jahren!), bei uns wären das eher Youngtimer, wurden originalgetreu restauriert. Hinter den Fassaden sehen sie doch alle sehr improvisiert und kaputt aus. Sie beherbergen entweder Museen oder dienen als Geschenkläden. Ein Highlight ist sicherlich der berühmte Sourdough Cocktail, den Mann oder Frau sich jeden Abend ab 21.00 Uhr im Downtown Hotel sprichwörtlich einwerfen kann. Für ca. $5-6 kaufst du dir an der Theke einen Whiskey und reihst dich dann in der Schlange der „Zehenliebhaber“ ein. Am Ende der Schlange erwartet dich ein alter Kapitän, der nochmals $5 bekommt. Als Gegenleistung erhältst du ein Einzelgespräch bei der dir die Prozedur erklärt wird: der olle Kapitän wickelt aus einem Lappen einen schwarzen, mumifizierten Zehen aus und legt ihn auf ein mit Salz gefüllten Teller zur „Desinfektion“. Dann warnt er dich noch vor dem Verschlucken des Zehens, das mit $2.500 auch bestraft wird. Der Zehen wird dann in dein Whiskeyglas eingelegt und du musst das Glas leer trinken und der „schwarze Hutzelzehen“ muss deine Lippen berühren. Dann erhältst du unter reger Teilnahme der Wartenden dein Zertifikat. Die ganze Show wird 2 Stunden durchgezogen und ca. 200 Personen lassen sich jeden Abend „zertifizieren“. Nach meiner Meinung die größte „Goldgrube“ in Dawson City.

    Als Inhaber der Bull & Bear Goldmine am Nenana River, Fairbanks nehme ich endlich an einem Goldwaschkurs am Bonanza Creek teil. Mit einer Gebühr von $15,75 bekomme ich das richtige Pfannendrehen beigebracht und welch Wunder in meiner Pfanne befinden sich auch 4 Goldflocken. Ich habe halt das „All-inklusive Goldpaket“ gebucht. Theoretisch und praktisch nun voll als Goldpanner zertifiziert, leihe ich mir eine Pfanne und eine Schaufel aus und fahre zum Free Claim No. 33. Dort hängen schon weitere Freizeitgoldgräber im Bach herum und schwenken ihre Pfannen. Wir alle sind Spitze und auch alle haben den gleichen Erfolg – selbst nach Stunden glänzen alle unsere Pfannen als wären sie mit Meister Proper geputzt: blitzblank leer! Aber wir haben alle einen Mordsspass und die Goldfrauen bereiten am Ufer schon leckere BBQs zu. Okay ich habe nur 3 Stunden den Sonnenschein und Wärme genossen, aber andere verbringen so mit ihren Wohnmobilen ihren Jahresurlaub. Das wäre mir dann doch zu erfolglos!

    Von Dawson City geht es dann wieder Richtung Süden nach Watson Lake. Immer wieder Wald, Flüsse und Seen. Dann oh Schock wildes Getier: ein oller Bisonbulle trabt gemütlich am Strassenrand entlang. Später treffe ich noch auf eine ganze Herde. Ist ja hier fast wie in Afrika. Ich habe bei meinem Ausflug in den Norden Riesenglück mit dem Wetter. Andere berichten mir, dass sie 1-2 Wochen vorher Dauerregen hatten und dass es zu hässlichen Offroad-Unfälle gekommen wäre. Ich dagegen spule meine Tagesetappen von 800 bis 1000 km bei schönstem Sonnenschein ab. Ganz ehrlich – ein wenig langweilig finde ich die Landschaft schon. Mir hat persönlich Norwegen besser gefallen.

    In Watson  Lake besuche ich den Sign Forest. Über 100.000 Schilder verewigen ihre ehemaligen Beitzer an diesem Ort. Interessant – von allen Flecken der Erde haben sich hier schon Leute eingefunden. Sieht einfach auch klasse aus. Übernachten tue ich in der Air Force Lodge. Ein guter Tipp. Ein angesagter Biker Treffpunkt und auch sehr originell. Von Watson Lake geht es dann weiter über British Columbia nach Alberta nach Edmonton. Persönlich finde ich die Gegend in British Columbia und in den Rockies schöner wie im Yukon oder Alaska. Die Flüsse und Seen sind intensiver blau, die Bäume größer,voller und grüner.

    In Edmonton bekommt die BMW einen neuen Hinterreifen – dem Preis nach – muss es sich hierbei wieder um eine Einzelanfertigung handeln. Noch Öl- und Filterwechsel und ab geht es nach Montreal zu meinem Bruder. Unterwegs fahre ich schnurrgerade fast 4000km durch riesige Felder, Seenplatten und penne bei Speed Limits von 90km/h bzw. 100 km/h fast ein. Das erste Mal, dass ich das Fehlen eines Tempomats bei der BMW vermisse. Im Bundesstaat Ontario sind auch ständig Warnschilder mit Strafandrohung aufgestellt und permanent halten die „Mounties“ Temposünder an. Ein lohnendes Geschäft: bei 110km/h: $95, bei 120km/h: $295, bei 130km/h: $395 und bei mehr als 50km/h: $10.000, Führerschein auf unbestimmte Zeit weg und das Fahrzeug wird konfisziert. Bei letzter Strafe hat sicherlich ein Schweizer sein Input gegeben. Da die Kanadier gemütlich vor sich hin tuckern und selten überholen, musst du schon ganz ordentlich Gas geben um ca. 20-30 Fahrzeuge auf einen Schlag zu überholen! 50km/h über dem Limit und mehr kommen da leicht zusammen und am Ende der Schlange steht der Sheriff und schießt dich dann mit der Laserpistole ab – also immer Augen auf und dreckiges Nummernschild!

    Total müde und ohne Strafticket komme ich in Montreal an. Noch eine gute Woche relaxen und dann geht es wieder zurück zum Arbeiten. Das mit dem Goldsuchen hat ja nicht so hingehauen.

    Alaska – reine Augenwischerei!

    Was einem gleich bei der Fahrt nach Norden ins Auge fällt, ist ausser der grandiosen Landschaft, das brennende Gefühl im linken Auge. Mitten im nowhere findet ein besonders anhängliches Spezi einer alaskaischen Killermoskito ihren Weg in mein linkes Auge und das trotz Visier und Brille. Und zu meinem Glück hatte ich kein Wasser mehr, zufällig und das ist wirklich großes Pech, war auch kein Fluss oder See in der Nähe und ich musste die sterbliche Überreste dieser Arktismücke über 40 Minuten mit heftigen Tränen in meinem Auge ertragen bis mich endlich ein Trading Post, sprich Laden, mit einem Waschbecken erlöste. Da sind wir schon beim Thema: Mücken gibt es genügend und Flüsse, Seen und Wälder ohne Ende. Oft sind ganze Wälder Waldbränden zum Opfer gefallen. Je weiter ich nach Norden kam und es ging fast 4000 km nach Fairbanks, Alaska um so weniger wurde der Verkehr, die Bäume wurden niedriger, … und die Strassen zogen sich ins Unendliche.

    Kurven? Fehlanzeige. Oft 100 bis 200 km gerade aus, kein Auto stundenlang und nur wenige Tankstellen, die oft nur 2 Sprits zum Auswahl hatten: Diesel oder Regular mit 88 Oktan. Willst du oder besser du musst auch manchmal etwas zum Essen kaufen, ist die Auswahl sehr bescheiden: Chips und Softdrinks zu Nuggetpreisen. Unterkünfte musst du nehmen wie sie kommen. Selbst State Park Camping kostet $20 und das ohne Wasser oder Dusche. Dafür kannst du ja oft in einen eiskalten See springen. Feste Unterkünfte mit Etagendusche und-klo fangen bei $80 an. Bei 1 Pizza und 1 Bier- bist du mit $30-35 dabei.

    Tagesetappen von 800-900km die Regel, mein Rekord 1150km und das mit dem Motorrad. Dazwischen immer das Highlight: Pilot Cars! Was ist denn das? Da kommt ein schwäbischer Offroad Champ angeschossen und wird abrupt angehalten und muss dann mit 30 km/h in der Schlange (3-5 Autos!) kilometerweise hinter einem kriechenden Baustellen-Pickup hinterherfahren. Manchmal 15 km lang. Da kommt Freude auf. Ja die Nordamerikaner sind verwegene und kühne Fahrer! Mit Todesmut passieren Sie mit 10m Abstand den Gegenverkehr und halten dabei auch tapfer 200m Abstand zum Vordermann/-frau. Die kommen sich wie im Actionfilm vor, wenn ein schwäbischer Motorrad-Stuntfahrer beim Überholen schon nach 100m wieder einschert und um Himmels Willen: der überholt im Kamikazestil, der Gegenverkehr ist keine 1,5 Kilometer weit entfernt! Auf der Top-of-the-World Highway, eine 150km lange gut befahrbare Offroadstrecke überholte ich mit weit über 120 km/h mehrere Motorradfahrer, die mit geschätzten 50km/h durch die Gegend hoppelten. Später treffe ich sie wieder bei der Klondyke-Fähre. Ihr Kommentar: Unbelieveable – you are not from here. No – I am from another planet.

    Fairbanks – mein Endziel

    Alle fahren nach Prudhoe Bay ans Polarmeer. Ich schenke mir die ca. 850km lange Strecke. Ursprünglich wollte ich auch dorthin, aber meine Reifen sind schon ziemlich abgefahren und die Strecke soll sehr monoton sein und dann auch noch den gleichen Weg wieder zurück – nee. Dann fahre ich doch lieber zu den Goldgräbern, mache mal selber „Gold panning“. Unterwegs nach Dawson City komme ich zum Goldgräberflecken „Chicken“. Dort esse ich erst einmal ein Goldnuggetburger und schaue mir verschiedene Goldgräberutensilien an. Bei meiner Weiterfahrt treffe ich auf einen echten Goldgräber, der mit Bagger und Fördergerät von April bis Ende September professionell Gold sucht – mit Erfolg. Ich mache ein Videointerview. Dan erklärt mir ausführlich den Fundort und zeigt mir seine Ausbeute von den letzten Tagen: echte Nuggets. Mit dem Erfolg kann er dann auch über die kalte Jahreszeit in Florida überwintern. Unterwegs treffe ich noch viele Hobby-Goldgräber, die auf Free Claims (da darf jeder ohne Lizenz schürfen) tage- bzw. wochenweise im Bach stehen und ihre Goldpfanne meist erfolglos schwenken. Sie verbringen dort ihren Urlaub im Wohnmobil. Man fühlt sich bei ihnen eher wie bei einer BBQ-Party. Aber alle sind recht locker drauf.

    Hier folgen gleich wieder die obligatorischen Bilder.

    In Kürze folgt auch mein nächster Bericht mit Dawson City und der Fahrt nach Edmonton, Alberta.

    Mammuts und eisiger Vorhang

    Von San Francisco ging es auf der Pazifikküstenstrasse der Panamerica No. 1 weiter nach Norden. Standesgemäss hat sich die Golden Gate Bridge in einen Tränenschleier gehüllt. Zum Abschied gab sie nur die Spitzen der Brückenpfeiler zur Ansicht frei. Der größte Teil der Strecke Richtung Norden war wie in ein Eisvorhang eingesäumt. Die Pazifikküste ist wirklich atemberaubend mit ihren aus dem Meer ragenden Felsenspitzen. Ungefähr 2-3 km ragte der Kältenebel wie ein Vorhang ins Landesinnere. Im Nebelvorhang war es sehr unangenehm. Max. 18°C. Machte die Strasse einen kleinen Schwenk ins Landesinnere stiegen die Temperaturen sofort auf 30°C.

    Mammutbäume – Klein Rolf unter lauter Riesen

    Hauptattraktion neben der schönen Küsten sind die verschiedenen Sequoia National Parks mit den riesigen Mammutbäumen. Die Fotos und Filmsequenzen können den Größenunterschied gar nicht richtig wiedergeben. Bei einem bin ich durchgefahren, ein anderer war Teil eines Hauses. Obwohl über 90% der ursprünglichen Mammutwälder schon sehr früh abgeholzt wurden, sind noch immer riesige Waldflächen übrig geblieben. Am besten schaut Euch folgende Bilder an:

    San Francisco – eine Stadt mit vielen Gesichtern

    San Francisco ist wahrlich eine Reise wert. Multikulti. Viele Sehenswürdigkeiten. Angefangen von der Golden Gate Bridge oder auch die große Bay Bridge. Cablecar, die traditionelle Tram, die noch per Hand bedient wird. Am Wendepunkt wird sie noch von Menschenkraft um 180° gedreht. Die verschiedenen Viertel – ob trendige Hippieläden in Haight Ashbury, Schwulenviertel Castro, Mission District mit seinen vielen mexikanischen Restaurants und seinen Wandmalereien – den Murals oder auch Chinatown und nicht zuletzt Pier 39, das stellvertretend auch für die anderen Landungstegs am Hafen steht – für alle Besucher und auch Einwohner ist etwas dabei. Auch die vielen architektonischen Häuser sowie das Auf und Ab der Strassenzüge, die Parks, Lombard Street und, und, und…

    San Francisco hebt sich von der monotonen Uniformität der üblichen US Städten komplett ab. Kein Wunder, dass Wohnraum in San Francisco sehr begehrt ist. All die gutverdienenden Silicon Valley Nerds und Yuppies drängen in die pulsierende und trendige Stadt. Das hat auch seine negativen Seiten: die Mieten sind horrend hoch. Monatsmieten um $4.000  und mehr für Appartments mit 2-3 Zimmern sind nicht die Ausnahme eher die Regel (siehe dazu auch Gästeeintrag von Reinhold). Auffällig auch das grosse Heer von Obdachlosen und Junkies, die leider immer mehr die Gehwege bevölkern. Auch der allgegenwärtige Geruch von Urin und Unrat bleibt einem in Erinnerung.

    Und da wäre noch mein alter Studienkollege Reinhold, der mir für ein paar Tage Obdach geboten hatte. Wer weiss, sonst wäre ich bei den unanständig hohen Hotel- und Unterkunftspreisen auch noch auf der Strasse gelandet. Reinhold, eigentlich ein waschechter Bodensee-Schwabe lebt seit über 27 Jahren in San Francisco. Er geniesst noch immer seine Stadt in vollen Zügen. Kein Wunder, dass er jeden Morgen mit einem Kater aufwacht! Stanley heisst sein prächtiger, grauer Mitbewohner, der seine Runden in seinem Stadtwohnungsrevier zieht.

    Am Besten lass ich wieder einmal Bilder weiter sprechen

     

    Heat of the Moment

    Der Südwesten der USA

    Nach gelungener Reparatur der Kupplung konnte ich mich endlich wieder auf das Sightseeing konzentrieren. Die BMW wurde systembedingt von Ironhorse Motorcycles (US BMW-Händler 2015) komplett zerlegt und die mitgebrachte Kupplung neu eingebaut. Die alte Kupplung war komplett Schrott gewesen. Ein Wunder, dass ich es überhaupt bis hier geschafft hatte.

    Von Tucson ging es über Teile der ehemaligen Route 66 weiter zum Grand Canyon. Vor über 35 Jahren war ich das letzte Mal vor dem „großen Loch“ gestanden.  Fast 1 Meile (1600m) ist der Canyon tief. Damals fuhr ich noch fast direkt an den Rand ran, heute zahlst du US $25 Eintritt und alles ist mit bequemen, geteerten Wegen „logistisch“ erschlossen. Mir für einen Naturpark zu perfekt und künstlich.

    Von hier ging es weiter zum Zion Nationalpark. Die öffentliche Strasse führt zwangsweise quer durch den schönen Nationalpark. Sehr erstaunt, sollte ich schon wieder US$ 25 Parkgebühren zahlen. Als Schwabe nimmt man das aber nicht so hin. Mein Hinweis, dass das ja fast schon eine Zwangsabgabe sei und wenn ich bei meiner großen Reise überall zahlen sollte, wäre ich bald pleite. Ich hatte Schwaben-Glück. Die Rancherin winkte michgratis durch.

    Las Vegas

    Müde kam ich um 20.00 Uhr in Las Vegas nach fast 900 km an. Kurz geduscht und los ging es ins Nachtleben. Las Vegas ist immer wieder beeindruckend. Das Lichtermeer mit Werbung für Casinos, Shows und Shopping Malls erschlägt einem fast. Die Casinos waren für mich eher langweilig. Die gibt es heute überall. Aber Shopping Malls mit künstlichen Himmel, Nachbildungen von Sehenswürdigkeiten berühmter Orte wie Freiheitsstatue New York, Eiffelturm von Paris etc. beeidrucken einem doch sehr.

    Death Valley

    Am nächsten Tag fuhr ich noch sehr müde ins Death Valley. Das Todestal ist der heißeste und tiefste Punkt Amerikas. Heute hatte ich 48-49°C. Fünf Stunden in voller Motorradmontur inkl. Helm und Handschuhe. Das beeindruckte die air-conditionierte US Touristen, die nach wenigen Augenblicken schon schweißüberströmt die wenigen Schritte zu den Infotafeln „wobbelten“. Die sollen sich mit ihren „Tiefkühlschlitten“ nicht beklagen. Meine Klimaanlage in Form von 4 Liter Wasser funktionierte ganz gut. Über 200 km fuhr ich im Glutofen bis ich endlich wieder in kältere Gefilde (nur noch 35°C) kam. Diesmal kein Schwabenglück – ich musste nochmals US$ 25 Eintrittsgeld  für den Nationalpark Yosemite bezahlen. Dafür bekam ich auch eine Abkühlung auf 28°C gratis. Der Yosemite Nationalpark ist einer der Schönsten überhaupt. Leider ist er sehr überlaufen. Seine geografische Nähe zu San Francisco und dem Silicon Valley machen ihn zum idealen Naherholungsgebiet für alle Hightech Nerds aus dem nahen Silicon Valley. Wahrscheinlich kann man auch in der Natur Pokemons jagen.

     

    Hier wieder einige Bilder

     

    PIMA Aircraft Museum and Boneyard

    Special Report vom größten Parkplatz und Museum für Militärflugzeuge und Helikopter

    Hier möchte ich mich einmal kurz fassen und hauptsächlich Bilder sprechen lassen.

    In Tucson, Arizona befindet sich auf einem Riesenarreal über 3000 Militärflugzeuge. Ein großer Teil ist nur eingemottet und mit lichtundurchlässiger Folie abgedeckt. Ein anderer Teil wird ausgeschlachtet oder zu pilotenlosen Drohnenflugkörper umfunktioniert. Man kann eine Bustour auf das riesige Parkgelände (Boneyard) für US$ 7 buchen. Unbedingt ratsam und sehr beeindruckend.

    Sowohl im Museum als auch in den verschiedenen Hangars und im Freigelände findet jeder Flugzeugfan sein Lieblingsfluggerät.

    Mein Favorit: Bumble Bee – das kleinste flugtaugliche Flugzeug der Welt im attraktiven Bienen-Outfit

     

    Back in The USA

    Knapp dem Waterboarding entgangen

    Irgendwie habe ich es an die US Grenze El Paso, Texas geschafft. Vor mir mehrere Spuren Fahrzeugschlangen. Ich ohne Kupplung, schiebe mein Motorrad mit voller Montur bei fast 40°C ohne Schatten. Ich sehe schon die US Grenze, gegenüber die mexikanische Grenzkontrolle, getrennt von einem Zaun. Plötzlich eine Art Eingebung. Da war doch noch etwas. Meine Sicherheitshinterlegung von US$ 400, die ich an der mexikanischen Grenze zurück bekommen sollte. Ich einfach Motorrad im Stau geparkt, überwinde die Absperrung und frage die total schockierten mexikanischen Grenzleute wo ich mein Deposit, sprich US$ 400 zurück bekomme. Antwort – hier nicht, sondern 30km westlich bei einem kleinen Grenzübergang. Surprise, surprise. Das machen die doch mit Absicht! Schwabe bleibt Schwabe. Denen schenke ich nicht das Geld. Ich fahre illegal im Gegenverkehr trotz hektischen Zurufen wieder zwischen der Schlange zurück. In einem Mini Grenzübergang wird mir der Betrag auf meinem Kreditkartenkonto gutgeschrieben. (Betrag habe ich inzwischen tatsächlich trotz gewisse Zweifel erhalten!). Sonst wollen die Mexikaner nichts sehen. Kein Pass, rein gor nix.

    Also los zu den Amis. Die sind zunächst einmal total mit mir überfordert. Meine online-Registrierung ESTA können sie nicht lesen. Alles auf Deutsch. Habe ich aber aus ihrem offiziellen Programm ausgedruckt. Not my problem! You are the best and greatest country of the world and soon you might have the best president and the best wife of the world (Originalton von Donald Trump), why can you not read German?

    Jedenfalls funktioniert die ESTA- Registrierung nicht für Deutsche, die zu Land in die USA einreisen. Also normale Prozedur. $6 zahlen und anstehen und auf die amerikanische Grenzinquisition warten. 3 Stunden stehe ich mit hauptsächlich mexikanischen „Einwanderer“ an. Dann komme ich dran. Eye- und Finger Scans. Wo ich hin will und wo und wann ich die USA wieder verlassen will. Weiß ich doch nicht. I am transit tourist to Canada. Er besteht auf einen Grenzübergang. Also ich kenne nur den von den Niagara Fällen. Ob ich die Rainbow bridge meine? Meine Antwort findet er überhaupt nicht lustig: maybe rainbow bridge if it rains, when sun shines it is called sunshine bridge.

    Null Humor. Hier verdient alle die Dumpfbacke Trump!

    Es geht weiter. Mein Motorrad kontrollieren sie überhaupt nicht. Unterwegs halte ich noch in einem shop an und kaufe 2 Dosen Bier. Es gibt etwas zu feiern:

    Die BMW GS hat 100.000 km auf dem Tacho. Das ganze in 6 Jahren!

    Unterwegs nehme ich noch die Westernstadt Tombstone inkl. Schießduell mit und komme in Tucson, Arizona an. Die Krönung: ich bekomme als upgrade die Präsidentensuite in einem schon sehr guten Hotel zum Discountpreis. This is America. Meine BMW bringe ich zum BMW Händler. Die Diagnose ergibt, dass die Kupplung komplett hinüber ist. Mehr dazu in einem späteren Bericht.

    Bilder zu Tombstone, BMW und Kaktus Nationalpark findet ihr hier

     

    Viva Mexico

    Nach 4 Tagen Dschungeltour ging es wieder weiter Richtung Norden zur mexikanischen Halbinsel Yukatan. Grenzaustritt Belize kein Problem. Eine hochmoderne mexikanische Grenzstation. In Mexiko musste ich ca. US$ 80 für Motorradversicherung und Gebühren entrichten. Zusätzlich wurden noch US$ 400 Deposit für das Motorrad fällig, die ich wieder beim Verlassen von Mexiko erstattet bekommen sollte.

    Eine ganz andere Welt – eine US amerikanische Welt. Super  ausgebaute, mehrspurige Autobahnen und Strassen. Links und rechts Fastfood Restaurants, riesige Touristen Resorts. Auch der Strassenverkehr – keine Spur mehr vom hektischen süd- bzw. zentralamerikanischen Verkehrsgebahren. Eher ein tröges, passives Dahingleiten auf endlos geraden Strassen. Das wunderbare, blaue Karibikmeer mit seinen feinen, weißen Sandstränden lockt vor allem die Gringos aus den USA an. Die Landschaft eher flach mit viel grünen Dschungelbäumen. Immer wieder hervorragend ausgeschilderte Mayastätten. Ein weitere Attraktion auf Yukatan sind die kristsllklaren Cenoten. Das sind eingestürzte Kalkhöhlen, die sich mit Süsswasser gefüllt haben.

    Nach fast 800 km treffe ich abends in der Touristenhochburg Playa del Carmen ein. Hier haben meine südamerikanischen Bikerfreunde schon seit Tagen in einem Appartmentkomplex Quartier bezogen. Nach all der Dschungelschwüle (habe leider in der Regenzeit Belize besucht) endlich wieder eine trockene Unterkunft. Endlich kann ich meine Klamotten und Dokumente wieder trocknen. Auch die Moskitostiche verheilen unter großem Juckreiz. Am nächsten Tag bricht die ganze Bikergang zur Tauchfahrt bei der Insel Cozumel auf. Cozumel ist bekannt für seine Schnorcheltouren und exotischen Fischreichtum. Wir buchen ein kleines Boot und werden von unserem Bootsführer zu mehreren kleinen Riffen gebracht. Die Schnorchelgänge übertreffen alle unsere Erwartungen. Wir tauchen in dichten Fischschwärmen sprichwörtlich in einem schillernden Farbenmeer. Ein toller Tag.

    Die anderen bleiben noch einige Tage. Mein Terminplan ist leider viel enger. In gut 4 Tagen will ich fast 4000 km zur US Grenze zurücklegen. Die Strassen sind herrlich, die Temperatur über 35°C. Vamos Amigo. Nach 200 km ein schon vergessenes Drama: die Kupplung wird immer softer bis sich fast kein Gang mehr schalten lässt. Zum Glück sind die Strassen mehrspurig und immer geradeaus. Ich entschliesse mich bis nach Nordmexiko nach Monterrey zu fahren. Dort gibt es einen BMW Motorradhändler. Schlappe 3000 km ohne Kupplung. Auf der Nordseite der Yukatan Halbinsel gibt es deutlich weniger Tourismus. Dafür fahre ich Hunderte von Kilometer an verlassenen Sandstränden entlang. Generell ist Mexiko viel grüner als man sich das vorstellt. Und sehr preiswert: Sprit um die € 0,70/Liter und das Essen gut und preiswert und die Leute sind super freundlich und sehr intereressiert.

    Von der Mordgefahr ausgehend von den Drogenkartellen spüre ich überhaupt nichts. Auch auf der ganzen Fahrt keine Polizei- oder Militärkontrollen. Alles ganz easy. Wenn mich jemand stoppen würde – hätte er auch keinen großen Erfolg bei mir. Ohne Kupplung kann ich sowieso nicht anhalten. Also probieren die es gar nicht. Die Polizisten, die an Kreuzungen und Brücken herumstehen, beachten mich nicht. Sie scheinen alle im Sondereinsatz zu sein: auf der Jagd zum nächsten POKEMON. Alle konzentrieren sich auf ihr Handy.

    Irgendwie schaffe ich es nach Monterrey, eine mexikanische Großstadt. Ein Horror für einen BMW -Fahrer ohne Kupplung. Am nächsten Tag zur BMW Werkstatt. Hier wird ein Teil am Eingang des Kupplunggehäuses ersetzt. Sie funktioniert wieder. Ganze 30 km. Im Internet finde ich heraus, dass in Tucson, Arizona der beste BMW-Händler der USA 2015 sitzt. Auch die Bewertungen im Internet sind eindeutig positiv. Dort lasse ich meine Kupplung komplett wechseln!

    Einige Impressionen von Mexiko

    Belize – eine Dschungelidylle

    Abenteuerurlaub im Dschungel

    Nach all dem Zoll- und Grenzstress endlich wieder einmal ein normaler Grenzübergang nach Belize. Belize auch bekannt als British Honduras wird noch immer von Guatemala beansprucht. Auf offiziellen Karten von Guatemala wird Belize nicht als ein eigenständiger Staat ausgewiesen. Englisch sprechende Zöllner, unproblematische Abfertigung. Eine Sache von Minuten. Dann ging es weiter Richtung Süden. Belize ist ein sehr dünn besiedeltes Land. Die Bevölkerung liegt bei knapp über 300.000 Leuten. Zieht man die Bevölkerung von Belize City und der Hauptstadt Belmopan ab, ist Belize fast ausgestorben. Der ideale Ort um eine Dschungeltour zu unternehmen. Von Freunden bekam ich den Tipp: Sun Creek Lodge . Die Lodge wird von Marisa und Thomas sowie ihren 2 Kindern geführt. Die Lodge ist am Rande des Dschungels im Stil eines traditionellen Palmhüttendorf errichtet worden. Anstatt Swimming pool und Air conditioning erwarten dich eine sehr clever konstruierte Dusche (Gießkanne mit Lochboden), Moskitonetze und sehr freundliche, hilfsbereite Gastgeber. Fast Nachbarn – sie kommen aus der gleichen Region wie ich und wohnten sogar im selben Ortsteil in Kirchheim/Teck. Während meine Bikerfreunde sich schon Richtung Mexiko zum Touristenzentrum Cancun begaben, entschloss ich mich zu einem Urlaub der anderen Art. Mit Thomas hatte ich den idealen Tourguide für eine Dschungelexkursion gefunden. Thomas kann man schon als Dschungelfreak bezeichnen. Gerne treibt er sich mit seiner Machete im Dschungel herum und erkundet dort die Tier- und Pflanzenwelt. Mit einer open air Übernachtung in der Hängematte zwischen 2 Palmbäumen hat er keine Berührungsängste. Wir unternahmen 2 Touren: die erste in einem National Park Dschungel mit Wasserfällen, Hängebrücken und viel Erklärungen zu der Vegetation. Die andere Tour führte durch fast undurchdringliches Dschungelgebiet mit Besuch einer Höhle. Thomas führt nicht nur sondern erklärt auch viele Details. Zum Beispiel wie werden Palmwedel geschnitten, geschlitzt und wasserdicht verlegt, damit sie bis zu 8 Jahre ein dichtes Dach gewährleisten. Natürlich musste ich auch verschiedene Früchte und Palmherzen probieren. Thomas nochmals vielen Dank für die außergewöhnlichen Touren und dass dort mir mit deinen Machetenhieben so manches Viehzeug vertrieben hast. Im Gegensatz zu seinen Gummistiefeln und dschungelgerechter Kleidung waren meine luft- und wasserdurchlässigen Joggingschuhe und kurzärmelige Bekleidung doch eher improvisiert. Als Belohnung bekam ich eine Dschungel-Akkupunktur in Form von Hunderten von Moskitostichen. So kann man ja seinen Kreislauf auch stimulieren. Ungewöhnlich für mich auch das ständig klamme Gefühl – ne keine Angst vor Schlangen etc. sondern die hohe Luftfeuchtigkeit. Immer waren meine Klamotten feucht.

    Viel Spaß mit den „grünen“ Bildern

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    Wahnsinn Hoch 3 – Zentralamerika

    Kopias – Dollares – Documentas

    War die Einreise nach Costa Rica ein Zollchaos, so war die Weiter- und Durchreise der weiteren zentralamerikanischen Länder ein wahrer bürokratischer Amoklauf mit ungeahnten Dokumentenrausch und Einreisebestimmungen, die sich nicht einmal das krankeste Gehirn mit den mutiertesten Gehirnwindungen ausdenken kann.

    Costa Rica

    In Costa Rica fuhren wir –  4 Motorräder noch einige Zeit an der Küste Richtung Norden. Wunderschöne Küstenbuchten eingebettet in einem üppigen Dschungelgrün begleiteten uns einige Hundert Kilometer. Dann trennten sich unsere Wege. Meine Reisebegleiter wollten an der Küste in Touristenorte bleiben. Ich wollte ins Landesinnere und fuhr fast 100 km auf extrem schlechten Schotterwegen in die Berge zur Laguna de Arenal. Hier hatte ich ein Zimmer in einer traumhaften Lodge gebucht: Ceiba Tree Lodge bei Nueva Arenal. Neben der Lodge steht einer der größten und ältesten Ceiba Bäume, besser bekannt in Zentralamerika als der Lebensbaum. Mit über 20m Umfang und über 500 Jahre eine absolute Rarität. Wasserfallähnliche Regengüsse zwangen mich zu einem zusätzlichen Tag Aufenthalt. Milos, der tschechische Koch, verwöhnte mich mit herausragenden Menüs. Weiter ging es dann Richtung Grenze Nicaragua ohne aber nicht vorher einen Kurzbesuch bei der in ganz Zentralamerika bekannten German Bakery abzustatten. Tom, der aus Kempten im Allgäu stammt, verwöhnt hier sowohl inländische als auch Globetrotter mit seinen berühmten deutschen Spezialitäten. Sauerkraut, Brezel, Bratwurst und sonstige leckere Backwaren gehören zu seinem Standardrepertoire.

    Nicaragua

    Mit den anderen Biker habe ich mich an der Grenze verabredet. Gemeinsam wollten wir unser nächstes Grenzabenteuer nach dem Motto „Schizophrenie durch 4 ist geteiltes Leid“ angehen. Meine 2 Argentinier schafften es nicht rechtzeitig. Tamarindo mit fast 80% weiblichen Touristinnen hatten meine argentinischen Machos in Beschlag genommen. So ging ich das nächste Grenzprojekt mit meinem brasilianischen Bikerpaar an.  Kurz mal Costa Rica verlassen, heißt zunächst einmal US$ 7 für die Ausreise bezahlen, dann Pass stempeln, dann zum Zoll, wieder 1 km zurück, dann „Aufenthaltsgenehmigung für Motorrad wieder ungültig stempeln lassen, dann davon Kopien machen, wieder beide Papiere dem Zoll geben, nochmals 3 US $ zahlen und dann in praller Hitze nach über 1 Stunde weiter zur Grenze Nicaragua, ca. 1 km weiter. Hier das volle Chaos. Zunächst 1 US$  bei Militärposten zahlen. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht steht eine Squadtruppe Polizei mit Vollmontur und Schutzschilder bereit, daneben das gleiche als Militärversion. Dann Weiterfahrt, dann Trillerpfeife. Dann Stopp, dann zurück, dann US$ 3 zahlen für Pestkontrolle. Das Motorrad wurde völlig mit Infektionsmittel eingesprüht. Bei der späteren Weiterfahrt das ideale Futter für Millionen von Fruchtfliegen. Nach der Pestdusche zur eigentlichen Immigration. Busse hielten, Hunderte von Leuten irrten in der Gegend herum, dazwischen irgendwelche legale oder illegale Zolloffizielle im hellblauen Poloshirt. Ständig wollten uns „hilfsbereite“ Agenten mit dem Zuruf „Amigo, Amigo“ ihre Zollagentdienste anbieten. Dann endlich Zugang zur Immigrationshalle (ohne Klimaanlage bei Außentemperatur 38°C plus und das mit voller Motorradmontur!), dann US$1 an die Grenzstadt zahlen, nach unendlicher Zeit endlich am Einwanderungsschalter. Mit US$ 12 bist du dabei und im Land drin. Dann Röntgentunnel für dein Gepäck. Nicht wir. Wir müssen erst unsere Motorräder durch den Zoll bringen. Der „Motorrad-Zollbeamter sendet uns wieder zurück. Wir sollen nach einem hellblauen Polo T-Shirt mit gelber Sicherheitsweste Ausschau halten. Das war aber spurlos verschwunden. Wir bekamen einen heissen Tipp: zahlt lieber erst die Road Tax – schlappe US$ 5 und vergesst nicht die US14 für die Motorradversicherung. Nach erfolgreichem Erwerb dieser überlebensnotwendigen Dokumenten entdeckten wir im Getümmel die gelbe Sicherheitsweste. Nach einer weiteren halben Stunde hatten wir endlich „Feindkontakt“. Unser Angriff auf ihn scheiterte kläglich. Wir sollten erst zu einer weiteren hellblauen Poloshirtträgerin, die uns einen Fresszettel ausfüllte und unterschrieb. Nochmals eine Kopie und dann erneuter Angriff auf die Sicherheitsweste – Policia Nacional! Jetzt hatten wir alles. Denkste! Nun ging es zurück zu dem eigentlichen Zoll. Mit viel Engagement und Kopien (kopias) startete unser persönlicher Aduana Servicio Capitano im Einfingersystem seinen persönlichen Kampf mit der Tastatur. Frei nach dem Palästinensermotto: „Jede Stunde einen Anschlag“. Nach insgesamt über 3 Stunden waren wir endlich Besitzer von einer temporären Aufenthaltsgenehmigung für unsere Motorräder und los ging es. Stopp – nach 200 m wurden unsere Pässe und Dokumente nochmals gecheckt und weitere 20km eine weitere Kontrolle. Ihr denkt das Ganze hat lange gedauert – unsere argentinische Freunde verbrachten später über 6 Stunden mit der gleichen Prozedur. Dagegen hatten wir fast eine Expressabfertigung!

    Touristisch war Nicaragua ein sehr schönes Land, parkähnliche, grüne Landschaft, die Straßen gut und ein Besuch der Stadt Granada lohnt sich auf alle Fälle. So müßten viele Städte heute in Kuba aussehen, wenn kein Sozialismus dort gewesen wäre. Sehr schöne und zum Teil sehr gut erhaltene Kolonialgebäude und Kirchen. Am Abend dann einer der Highlights der ganzen Tour – der Vulkan Masaya, ca 25 km von Granada entfernt. Mit US$ 10 Eintritt kan man abends (Nationalpark schließt gegen 19.30 Uhr) direkt an den Kraterrand des noch aktiven Vulkans fahren. Schlappe 10m Fußweg und du schaust direkt in den Schlund rein. Ca. 600m tiefer die blubbernde Lavamasse und dazu das schmatzende und zischende Eruptionsgeräusch. Ein kaum zu beschreibender Anblick. Am nächsten Tag auf der Weiterfahrt nochmals einen Besuch bei Tageslicht – extra wegen besseren Filmaufnahmen. Kein Vergleich. Durch austretende Gaswolken war die kochende Lava kaum zu erkennen. Kurz vor der Grenze nach Honduras übernachteten wir. Früh morgens, taktisch an einem Sonntag ( kein LKW- Zollverkehr), wollten wir unseren Guiness Rekordversuch starten: 2 Länder, 4 Grenzübertritte (2 Ausreisen, 2 Einreisen)

    Honduras

    Unsere Taktik ging voll auf. Nur wenige Leute und Fahrzeuge bei der Ausreise aus Nicaragua. Rekordzeit nur 1 Stunde um unsere temporäre Papiere wieder zurück geben zu können. Inklusive Kopien von Kopien! Auch am Schalter bei der Einreise nach Honduras nur 5 Leute vor uns. Die US$3 für den Passeintrag zahlten wir locker. Ein wenig irritierend die Frage, ob wir mit dem Bus einreisen – echt logisch, wenn man uns so vom Schalter anblickt mit unseren Motorradhelmen, komplette Montur. Oder sind die Busse in Honduras so unsicher, dass dort Sicherheitsklamotten Pflicht sind. Nach uns die Sinnflut in Form von 2 Bussen mit über 100 Passagieren. Die werden sich noch die Beine bei dem Tempo der Passkontrolle abstehen. Schnell noch zum Zoll, auch dort sind wir die ersten oder einzigen „Kunden“. Mit je US$ 40 Gebühr sind wir wahrscheinlich die größten Devisenbringer Honduras. Also US$43  für 2 Stunden Transitzeit durch Honduras. Auch nicht schlecht oder?

    Fahrt durch Honduras -schnell durch. Das Land macht hier eher einen heruntergerittenen Eindruck, wesentlich dreckiger als Nicaragua.

    El Salvador

    Nach 2 Stunden erreichen wir die Grenze von Honduras. Hier zahlen wir zusammen US$10 für einen „Beschleunigungsagenten“. Ob es sich wirklich gelohnt hatte, bezweifle ich. Er wollte nochmals je US$ 10 für die Immigration nach El Salvador. In 10 Minuten waren wir bei der Personeneinreise durch – ohne Agenten und zum ersten Mal ohne etwas zu zahlen. Unser argentinischer Bikerfreund Claudio hatte ein Tag später mehr Pech – er mußte US$70 für den fehlenden Gelbfieberpass zahlen. 5km weiter mussten wir zum Fahrzeugzoll. Hier ging alles überkorrekt vor. Auch die Fahrzeuge wurden im Detail gecheckt. Nach 2 heißen (fast 40°C ) Wartestunden durften wir weiter fahren. Kein Hotel in Sicht außer einigen Auto Hotels. Nicht zu verwechseln mit Motels. Es handelt sich hier um Schäferstündchen-Absteigen für Onenightstand Machos. Laut Auskunft einiger heißblütiger Latino Lovers der ideale Ort für geheime Seitensprünge. Wir fahren weiter zur Hauptstadt San Salvador. Überall Stacheldraht. Jeder Supermarkt und Tankstelle wird mit Pumpguns bewacht. El Salvador und insbesondere seine Hauptstadt gelten als einer der Gebiete mit der höchsten Mord- und Todesrate weltweit. In Jucuapa – einer 18000 Seelenstadt gibt es 18 Sarghersteller. Der größte Industriezweig vor Ort. Kein Wunder, wenn einem ein klammes Gefühl besteigt beim Anblick der vielen Beerdigungsunternehmen in den Vororten von San Salvador. Passend dazu auch unser Erlebnis: wir wurden bei einsetzender Abenddämmerung von einem Hotel abgelehnt mit der Begründung – wir würden mit unseren Motorrädern ein Sicherheitsrisiko für das Hotel darstellen. So etwas ist mir bei all meinen Reisen noch nie passiert. Letztendlich fanden wir eine Unterkunft – Hotel wäre eine schiere Übertreibung.

    Guatemala

    Ausreise von El Salvador keine 5 Minuten. Die Einreise nach Guatemala fast schon Routine. In knapp 2 Stunden hatten wir unsere Motorräder samt schicker Plakette auf dem Windschild fit für Guatemala gemacht. Nach der Grenze ging es Richtung Antigua, einer sehr schönen Stadt im Kolonialstil. Von hier weiter über eine Rumpelstrasse inkl. Offroad-Überquerung eines Flusses zum Lago Atitlan. Wunderschön gelegen, eingerahmt von mehreren Vulkanen, besuchten wir abends ein Stadtfest. Am nächsten Tag ging es 600km weiter Richtung Nordost, vorbei an riesigen, hohen Vulkankegel zum Maya Nationalpark Tiktal. Dort übernachteten wir auch und schauten uns verschiedene Maya Tempel an. Tiktal ist einer der größten Maya Anlagen und liegt inmitten eines über 500 km² großen Dschungels. Von hier ging es Richtung Belize. Die Ausreise von Guatemalas war sehr entspannt und in weniger als 30 Minuten erledigt. Einreise nach Belize ohne großes Theater, kein separates „Motorradpapier“. Natürlich mußten wir (vor Tiktal schlossen unser argentinischen Machos wieder zu uns auf) unser Obligo in Form von Versicherung und Einreisegebühren von US$25 an Belize entrichten. Aber 30 Minuten später konnten wir im englischsprachigen Belize weiterreisen. Zu gut um wahr zu sein.

    Dann der große Schock

    Kurz nach der Grenze machten wir an einem Restaurant halt. Etwas zu essen und trinken, ein wenig relaxen, viel Emotion und dann das bittere Ende: Deutschland ist gegen Frankreich bei der EM ausgeschieden. Nicht wegen dem Spiel, sondern wegen anderen Plänen trennten sich dort unsere Wege. Die anderen Biker fuhren Richtung Norden nach Mexiko. Ich Richtung Süden zu meinem Geheimtipp, den ich von guten Freunden aus Deutschland bekommen hatte: Sun Creek Lodge. Eine Lodge im Stil eines Dschungelcamps. Deutsche Führung – Thomas und Marisa mit ihren 2 Kindern aus Esslingen, zuletzt wohnhaft in Kirchheim-Ötlingen. Was für ein Zufall – genau dort hatten wir auch schon gewohnt. Mehr dazu und über die geplante Dschungeltour im nächsten blog aus Arizona, USA.

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